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Hand der Fatima
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Die Hand der Fatima (auch Hamsa, Chamsa, Khamsa, arabisch ŰźÙ
۳۩, DMG áž«amsa âfĂŒnfâ) ist ein kulturelles Zeichen im islamischen Volksglauben Nordafrikas und des Nahen Ostens. Es gilt als universell schĂŒtzend und als wirksamste AbwehrmaĂnahme im Kampf gegen die Dschinn und den Bösen Blick. Das schĂŒtzende Handsymbol ist im Orient bei den Juden als Hand der Mirjam und bei den Christen als Hand der Maria bekannt.
Contents
âą Zur Namensgebung
âą Bedeutung
âą Abbildung
âą Literatur
âą Weblinks
âą Einzelnachweise
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Zur Namensgebung
Der Name geht auf Fatima (606â632), jĂŒngste Tochter des Propheten Mohammed mit seiner ersten Ehefrau Chadidscha, zurĂŒck. Sie wird als sĂŒndenfreie Jungfrau verehrt. Da ihre Kinder als einzige bis ins Erwachsenenalter am Leben blieben, ist sie zugleich Mutter der Aliden und damit Mutter aller Nachkommen Mohammeds und Vorbild fĂŒr die heutigen MĂŒtter. Es gibt bei beiden Zuschreibungen Parallelen zur christlichen Verehrung der Maria, die als Mutter Jesu geehrt wird. Fatima wird unter anderem als al-Batul (âdie Jungfrauâ) und als âKönigin der Frauen des Paradiesesâ bezeichnet.
Im nordafrikanischen Volksislam haben sich vorislamische Traditionen und Glaubensinhalte des Sufismus vermischt. Sufi-AnhĂ€nger haben eine engere gefĂŒhlsmĂ€Ăige Beziehung zur Familie des Propheten (Ahl al-bait) und den Nachkommen Fatimas (Sayyid), allerdings ohne in der Frage der Rechtsnachfolge Mohammeds die Position der Schiiten zu ĂŒbernehmen. Der Name und die Abstammung von Fatima wurden von der Dynastie der Fatimiden beansprucht.
Bedeutung
GemÀà dem islamischen Volksglauben muss im Alltag stĂ€ndig auf Dschinn RĂŒcksicht genommen werden. Dschinn ist eine Sammelbezeichnung fĂŒr mehr oder weniger gute oder böse Geister, die zwar nicht besiegt, aber durch Abwehrzauber gebannt werden können. Ursprung des Glaubens an die Dschinn ist Sure 72. In dieser Sure werden die Dschinn als real dargestellt. Sie haben Gottes Wort im Koran gehört und bekennen sich hier ausdrĂŒcklich als glĂ€ubige Wesen.
Eine weitere Gefahr soll durch den Bösen Blick drohen, dessen Ursache der Neid (hassad) ist, den das Opfer oft durch Unvorsichtigkeit selbst heraufbeschwört. In Sure 113 wird unter anderem göttlicher Schutz vor dem Neid erbeten. Dieser soll sich durch faktisches Handeln oder feinstofflich Ă€uĂern können. Weltweit wird Neid in vielen Kulturen als eine Gefahr empfunden, vor der besonders kleine Kinder geschĂŒtzt werden mĂŒssen. Dieser Bedrohung meint man entgehen zu können, indem man dem Kind zunĂ€chst einen hĂ€sslichen Namen gibt oder es mit hĂ€sslichen Zeichen bemalt, damit es nicht bemerkt wird. Speziell in der islamischen Volkskultur werden zur Abwehr des Bösen Blicks auch Amulette mit Koransuren, Ketten aus Bernstein oder eben die abwehrende Hand der Fatima verwendet. Amulette, die Koranzitate enthalten, sind im Islam zulĂ€ssig (sie stehen nicht im Widerspruch zum Einheitsbekenntnis TauhÄ«d). Das Vertrauen auf GlĂŒcksbringer, die magische Zeichen beinhalten, gilt dagegen als Aberglaube (Beigesellung â Schirk). Besondere Dufthölzer (Weihrauch â bachĂ»r) zu verbrennen ist ein alter orientalischer Brauch und soll ebenfalls hilfreich gegen den Neid sein. Wenn MĂŒtter ungern die Zahl ihrer Kinder nennen, so haben sie Angst vor Neid. Wertende ĂuĂerungen gegenĂŒber anderen Menschen sollten unterlassen werden, da sie sich als Missgunst und ĂŒble Nachrede (âböse Zungeâ) rĂ€chen könnten. Selbst Lob könnte gegenteilig aufgefasst werden und Schaden verursachen.
Die Hand der Fatima ist einmal als Distanzgeste ein magisches Abwehrmittel, zum anderen ist es eine Segen spendende Hand, ein Symbol fĂŒr Kraft und GlĂŒck. In der Bedeutung als GlĂŒckssymbol findet sich das Zeichen im Wappen Algeriens und war auf den Fahnen des tĂŒrkischen Janitscharenkorps abgebildet.cite-ref-1[1] Dem Vieh werden Khamsa-Halsketten zum Schutz vor Krankheiten umgehĂ€ngt; die Hand ist auf manche Trommeln gemalt, die fĂŒr Besessenheitsrituale verwendet werden. Als modisches Accessoire in westlichen LĂ€ndern kommt die Hand der Fatima auch ohne eigentliche Bedeutung aus.
Der arabische Name rĂŒhrt von den fĂŒnf gezeigten Fingern der geöffneten HandflĂ€che. Die Zahl FĂŒnf selbst kann eine Schutzfunktion haben oder als Drohung verwendet werden, der Fluch chamsa fi aĂŻnek (âfĂŒnf in dein Augeâ) kann zugleich den Bösen Blick abwenden.cite-ref-2[2]
Die Zahl FĂŒnf hat weitere symbolische Bedeutungen, die jedoch alle im Koran noch nicht ausgefĂŒhrt werden. Im Koran kommt die FĂŒnf allgemein schlicht im Zusammenhang mit groĂen Mengen vor.cite-ref-3[3] Die Zahl steht gemÀà dem Gabriel-Hadith im Besonderen fĂŒr die fĂŒnf Grundpflichten des Islams. Sie kann auch fĂŒr jene fĂŒnf Personen stehen, die âGott unter seinen Mantelâ (seinen besonderen Schutz) genommen hat. In der TĂŒrkei ist hierfĂŒr der aus der persisch-tĂŒrkischen Mystik stammende Begriff pençe-i Ăąl-i abĂą gelĂ€ufig, der sich aus pençe (von indogermanisch penk-, âfĂŒnfâ) und dem arabischen Äl al-ÊżabÄ zusammensetzt, einem Synonym fĂŒr ahl al-kisÄÊŸ, den âLeuten des Mantelsâ. Diese Personen wurden im Hurufismus und der Batiniyya als Hand dargestellt. Die fĂŒnf Finger reprĂ€sentierten hierbei den Propheten Mohammed und seine nĂ€chsten Verwandten: Fatima, ihren Ehemann Ali und dessen Söhne Hasan und Husain. Die Hand symbolisierte Gott.cite-ref-4[4] In unterschiedlichen VolkserzĂ€hlungen wird das Symbol der Hand in Erlebnissen mit schrecklichem Ausgang fĂŒr Fatima begrĂŒndet.cite-ref-5[5] Als Al Khamsa ist die Legende der fĂŒnf folgsamen Stuten Mohammeds bekannt.
Die mit verschiedenen Namen (Astarte, Tanit, Aschtoret) belegte alte Fruchtbarkeits- und Schutzgöttin des östlichen Mittelmeerraumes wurde mit Kind im linken Arm und erhobener rechter Hand abgebildet. Von dort gelangte sie mit den Phöniziern nach Nordafrika und wurde ab der Mitte des 1. Jahrtausends v. Chr. als Tanit Hauptgöttin von Karthago. Das Zeigen der offenen Hand hat universelle schĂŒtzende oder segnende Symbolkraft, entsprechend finden sich HandabdrĂŒcke bereits an steinzeitlichen Höhlen. Die Bedeutungsdimension der Fatima-Hand geschichtlich von der Göttin Tanit herzuleiten, ist daher nur eine Möglichkeit, wĂŒrde aber immerhin eine ErklĂ€rung fĂŒr die geografische Verbreitung bieten.cite-ref-6[6]
Alternativen Schutz sollen Fischsymbole und bei Frauen Henna-TĂ€towierungen bieten. Fisch steht als Wasserelement in der WĂŒstenregion fĂŒr Leben und Fruchtbarkeit. Henna selbst hat schĂŒtzende Funktion, in diese Farbe getauchte HĂ€nde werden noch heute ĂŒber HauseingĂ€ngen gestempelt.
Abbildung
Die Darstellungen unterliegen praktisch keinen formalen BeschrĂ€nkungen, höchstens denen der Phantasie. HĂ€ufig ist die Grundform symmetrisch, Daumen und kleiner Finger entsprechen sich. Die Finger der Hand können nach oben oder unten gerichtet sein. Ein Kompositsymbol ist die abwehrende Hand mit einem groĂen Auge in der Mitte (Auge der Fatima) oder mit dem Schriftzug Allahs. Die Hand findet sich groĂ auf HauswĂ€nde gemalt, als Buchillustration, zusammen mit SegenssprĂŒchen in einem Amulett oder als kleiner silberner AnhĂ€nger mit blauem Auge darin in bunten Schmuckkettchen.cite-ref-7[7] Silber erscheint als das reinste Material. Es ist die Farbe des Mondes und wird im Koran als geeignetes Material fĂŒr Armringe erwĂ€hnt (Sure 76: 21). Nach der Ăberlieferung trug Mohammed einen Ring aus Silber (so bei Al-BuchÄrÄ«, 5866). Die Hand als Frauenschmuck ist also Ă€sthetisch, schĂŒtzend und Wertobjekt.cite-ref-8[8]
Das blaue Auge fixiert auch allein den bösen Blick, es heiĂt Nazar (arabisch âBlickâ) und wird besonders in der TĂŒrkei als Amulett getragen.cite-ref-9[9] Die Wirkmacht des magischen Auges wird ĂŒber die Jahrtausende vom Horusauge des Ă€gyptischen Alten Reiches hergeleitet, wo es bereits als Amulett getragen und den Toten als BeschĂŒtzer fĂŒr die jenseitige Welt mitgegeben wurde. Die geschichtliche Dimension steigert die Bedeutung des kombinierten Zeichens.
Es gibt einen Unterschied zwischen magischen Zeichen, wie es die Hand der Fatima darstellt, und den Niederschriften von Koransuren, wie sie von verehrten Korangelehrten (allgemein Faki, unterschiedliche lokale Bezeichnungen)cite-ref-10[10] zu denselben Zwecken angeboten werden. Beide werden vorwiegend als Amulette getragen. Die arabischen Schriftzeichen, die als âBriefchenâ im Amulett (hijÄb) enthalten sind, entfalten nur ihre gedachte Wirkung, wenn sie sicher verborgen sind. Es wĂ€re auch fĂŒr den EigentĂŒmer selbst gefĂ€hrlich, sie zu sehen. Die Hand der Fatima muss dagegen, da sie vorwiegend der Abwehr Ă€uĂerer Gefahren dienen soll, auch nach auĂen sichtbar getragen werden.
Chomeissa bei den Tuareg
FĂŒr die Tuareg sind Geister, die hĂ€ufig vorislamischen Ursprung haben, ĂŒberall in der Natur zu finden. Neben dem Bösen Blick, der bei ihnen Togerschek heiĂt, kennen sie eine Ă€hnlich böswillige Kraft Etama, die âStrafe fĂŒr Geizâ bedeutet und ĂŒber die insbesondere die am Rande der Gesellschaft stehenden Schmiede verfĂŒgen. Es darf keine Bitte ausgeschlagen werden; um nicht in eine verfĂ€ngliche Situation zu geraten, braucht es umfangreiche VorsichtsmaĂnahmen. Wegen dieser Ăngste muss eine besondere Form der Fatima-Hand, Chomeissa (von Chamsa, âfĂŒnfâ), als Amulett getragen werden. Als Amulett-Schmuck an einer Halskette ist die Chomeissa fĂŒr Tuaregfrauen unverzichtbarer Bestandteil ihrer Kleidung. Die Hand ist zu einer geometrischen Form aus gleichseitigen Dreiecken abstrahiert, fĂŒnf gleich groĂe Dreiecke bilden die Finger. Ein auf der Seite stehendes Dreieck bedeutet Auge. Dem Material kommt ebenfalls Bedeutung zu: Eisen gilt als ungeeignet (es ist das Material der Schmiede), Silber wird auch hier eine positive magische Wirkung zugesprochen. Holz und Ziegenleder werden als neutral eingestuft, wirkungsvoll erscheint hingegen die Haut von Klippschliefer und HyĂ€ne. Aus Dreiecken zusammengesetzter Silberschmuck wird auch von den Berber-Frauen SĂŒdmarokkos getragen. In einer Bedeutung, die der Dreiecksform und dem Material Silber entspricht, wird die Farbe WeiĂ eingesetzt. WeiĂ wird allgemein in Afrika selten als neutrale Farbe empfunden: es steht fĂŒr GlĂŒck (zum Beispiel bei den Berti im Sudan) oder Tod (WeiĂe Ameisen). Im SĂŒden des Tuareggebiets besteht die Chomeissa aus weiĂen Muscheln (meist Kaurischnecken).cite-ref-11[11]
Zierfransen an LedersÀcken bei den Bidhan
Bidhan ist die Eigenbezeichnung fĂŒr die in der westlichen Sahara lebenden Mauren, sie bilden die gröĂte Volksgruppe in Mauretanien. Zu ihrer traditionell nomadischen Lebensweise gehörte als unentbehrlicher Einrichtungsgegenstand in den schwarzen Zelten (chaima) die tazÄye (Plural tiziyÄten), ein groĂer, aus drei Teilen zusammengenĂ€hter Sack aus festem Kamelleder fĂŒr die Frauen, der zur Aufbewahrung von wertvollen Dingen wie Kleidung oder Nahrungsmitteln (Zucker, Tee) dient. An einer Seite sind zur Verzierung fĂŒnf etwa 70 Zentimeter lange und unterschiedlich breite Streifen aus feinerem Schaf- oder Ziegenleder angebracht. Der mittlere ist mit typischerweise 24 Zentimetern am breitesten, die seitlich nĂ€chsten Streifen messen etwa 6 Zentimeter, die beiden Ă€uĂeren Streifen sind wieder etwas breiter (um 10 Zentimeter). Die Fransen (Plural gsas) sind durch Lederschnittmuster und Bemalung mit geometrischen Ornamenten verziert. Mit der Ă€uĂeren Form wird die Fatimahand aufgenommen. Zu den festen Regeln der Gestaltung gehört bei der Ornamentik die Symmetrie und der wiederholte Bezug auf die Zahl FĂŒnf. Die mittlere der fĂŒnf Fransen wird besonders reich verziert, sie ist in der LĂ€nge in fĂŒnf Abschnitte gegliedert, wobei zwei mittlere quadratische Felder entstehen. Deren Innendekor betont wiederum die Zahl FĂŒnf, indem sich zum Beispiel vier Randquadrate um ein Mittelfeld gruppieren. Linien innerhalb dieser Felder können das aus der Zahl fĂŒnf hergeleitete Strukturprinzip theoretisch bis zur Unsichtbarkeit weitertreiben. Diese Gestaltungsregeln gelten prinzipiell fĂŒr fast die gesamte maurische Ornamentik. So findet sich die FĂŒnf auch als Muster auf den Armlehnkissen surmije.
Ab der Mitte des 20. Jahrhunderts begann zusammen mit anderen Formen der kulturellen Tradition die Verwendung der tiziyÄten zurĂŒckzugehen, die fĂŒnf Fransen wurden abgeschnitten und dienen seither ĂŒberwiegend als Wandschmuck. Viele der kostbaren Fransen an den LedersĂ€cken, die traditionell auch von den Saharauis verwendet werden, gelangten Ende der 1970er Jahre wĂ€hrend des UnabhĂ€ngigkeitskampfes um das Gebiet Westsahara auf die marokkanischen MĂ€rkte und in den Kunsthandel.cite-ref-12[12]
Handabdruck im Sudan
Die Verwendung von Henna hat im Sudan in besonderem MaĂe Bedeutung als magische Abwehr gegen den Bösen Blick und anderes Unheil. Am besten zu verdeutlichen ist das an den streng ritualisierten mehrtĂ€gigen Heiratszeremonien, in welchen bei mehreren Gelegenheiten Henna zum Einsatz kommen muss. Der BrĂ€utigam ehrt die Braut, indem er ihr Henna in ihre HandflĂ€chen drĂŒckt, ein Zeichen fĂŒr dem FĂ€rbemittel zugedachte Segenskraft (Baraka). Erster Höhepunkt ist die âHenna-Nachtâ, bei der FuĂsohlen und HandflĂ€chen des BrĂ€utigams mit Henna gefĂ€rbt werden, zu einem spĂ€teren Zeitpunkt fĂŒhrt die Braut einen Tanz auf, vor dem sie mit Henna-Mustern möglichst kunstvoll geschmĂŒckt werden muss. In jedem Fall gilt es, durch das Henna die periodisch wiederkehrende Gefahr MushÄhara abzuwehren. (Das Tragen weiĂer Kleidung gilt, der bereits erwĂ€hnten Bedeutung dieser Farbe entsprechend, ebenfalls als schĂŒtzend.)
Ein frĂŒher hĂ€ufig auĂen ĂŒber der EingangstĂŒr der Gehöfte aus Stampflehmmauern angebrachtes Abwehrzeichen im muslimischen Norden des Sudan war der mit Hennafarbe hergestellte Handabdruck, der wie die gemalte Hand chamsa genannt wird und die fĂŒnf Grundpflichten des Islam symbolisiert. Diese Bauweise wurde auch in Dörfern weitgehend durch die Verwendung von gebrannten Ziegeln mit Zementputz ersetzt, wodurch mit der traditionellen Bemalung der AuĂenwĂ€nde auch die Handabbildung praktisch verschwunden ist.cite-ref-14[14] HandabdrĂŒcke sind dagegen auf die InnenwĂ€nde des Frauenbereichs (hosh harÄ«m), der einem vermehrten SchutzbedĂŒrfnis unterliegt, aufgebracht. Im streng abgeschiedenen sakrosankten Raum der Frauen besitzt zusĂ€tzlich ein zentraler, das DachgebĂ€lk tragender Pfosten durch die an ihm angebrachten Amulette magische Kraft. An diesen Pfosten gelehnt soll die Frau Kinder gebĂ€ren.cite-ref-15[15]
Die Hand der Fatima ist im Sudan als grafisches Symbol im Alltag weit verbreitet. Es findet sich im Titel amtlicher FormblÀtter von Verwaltungsbehörden und Polizei.
Die Augen der Neugeborenen werden nach altarabischer Praxis die ersten 40 Tage vor dem Bösen Blick mit Antimon schwarz umrandet. Die Furcht vor dem Bösen Blick ist im Sudan allgegenwĂ€rtig und keineswegs nur auf den islamischen Volksglauben beschrĂ€nkt. So schreibt Rudolf Slatin, der als angloĂ€gyptischer Gouverneur von Darfur in Gefangenschaft des Mahdi geriet und bis 1895 im Umfeld von dessen Nachfolger Abdallahi ibn Muhammad lebte, von der Angst dieses strengglĂ€ubigen Mannes vor dem Bösen Blick.cite-ref-16[16] Gegen den Bösen Blick, den Neid, MushÄhara, Dschinn und die besitzergreifenden Geister, die unter die Rubrik Zar fallen, gibt es im Sudan neben dem Handsymbol noch zahlreiche weitere Abwehrmittel und Rituale.
Handabdruck als GlĂŒckssymbol beim Opferfest in Ăgypten
Beim islamischen Opferfest (ÄȘd ul-Adha) gilt die Verwendung des GlĂŒck bringenden Opferbluts als verstĂ€rkende Wirkung des Handabdrucks. In Ăgypten erfolgt die private rituelle Opferzeremonie vor oder im Eingangsbereich der HĂ€user. Unmittelbar nachdem dem Opfertier â zumeist Schafe oder Rinder â die Kehle durchtrennt ist, werden die HĂ€nde in das heraustretende Blut gehalten und es wird der rechte Handabdruck an HauswĂ€nden als sichtbares Zeichen nach Beendigung des Rituals hinterlassen. Der in den Tagen des Opferfests ĂŒber die StraĂen gehĂ€ngte Schmuck aus Papier oder Lichterketten können ebenfalls die Form von FatimahĂ€nden annehmen.
Entsprechende Praktiken beim Opferfest gibt es auch in anderen LĂ€ndern des Nahen Ostens. In Syrien werden an einigen abgelegenen sakralen PlĂ€tzen vorwiegend am Freitag, dem wöchentlichen Ruhetag, von den sunnitischen Pilgern Schlachtopfer vollzogen und die in das Blut getauchten HĂ€nde auf die Mauern gedrĂŒckt. Das regional bekannteste Pilgerziel ist das in Nordwestsyrien gelegene Mausoleum Nebi Huri.
Literatur
âą Siegfried Seligmann: Der böse Blick und Verwandtes. Ein Beitrag zur Geschichte des Aberglaubens aller Zeiten und Völker. 2 BĂ€nde in einem Band, Hermann Barsdorf, Berlin 1910 (Nachdruck: Olms, Hildesheim 1985, ISBN 3-487-07665-9) Band 2, S. 164â188. Weite Verbreitung des Handsymbols als Abwehrzauber. â Internet Archive
Weblinks
Commons
: Hand der Fatima
â Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Einzelnachweise
cite-note-11. â Ernst Petrasch: Hoheitszeichen. Fahnen und Rossschweif. (Memento vom 6. Februar 2009 im Internet Archive) (PDF; 101 kB) Aus: Die Karlsruher TĂŒrkenbeute. Badisches Landesmuseum, Karlsruhe 1991
cite-note-22. â Siegfried Seligmann, 1910, S. 178
cite-note-33. â Andrew Rippin: Numbers and Enumeration. In: Jane Dammen McAuliffe (Hrsg.): Encyclopaedia of the QurÊŸÄn. Band 3, Brill, Leiden/Boston 2003, S. 551f
cite-note-44. â İslĂąm Ansiklopedisi, Band 2, S. 306f. s.v. ĂL-i ABĂ
cite-note-55. â Medieval Islamic Cultures. Part V: Jewelry. (Memento vom 28. MĂ€rz 2010 im Internet Archive) Fatima-Geschichte aus der TĂŒrkei
cite-note-66. â Ahmed Achrati: Hand and Foot Symbolism: From Rock Art to the Qur'an. In: Arabica, Vol. 50 (4), 2003, S. 463â500, hier: S. 477 (Memento vom 15. November 2017 im Internet Archive) (PDF; 280 kB)
cite-note-77. â Boubker Belkadi: Hand of Fatima, is it protective? (Memento vom 24. Dezember 2015 im Internet Archive) Middle East Online, 23. Dezember 2003. Diskutiert die Schutzwirkung und politische Bedeutung der Khamsa-Halskette in Algerien
cite-note-88. â Ute Wittich: Brautgeld und Depotschmuck. In: Kissipenny und Manilla. Geld und Handel im alten Afrika. Ausstellungskatalog, Duisburg 1995, S. 81â98
cite-note-99. â Nazar Boncugu. Das blaue Glasauge â Zur Abwehr des bösen Blickes. (Memento vom 28. August 2008 im Internet Archive)
cite-note-1010. â Travis Fox: Putting the Mysteries of Islam and Numerology to Work. Washington Post, 13. Februar 2007 (Beschreibt die magischen Hilfsangebote eines Faki im Tschad)
cite-note-1111. â Gerhard Göttler: Glaube und âAberglaubeâ â die Tuareg und der Islam. In: Hermann Forkl, Johannes Kalter u. a. (Hrsg.): Die GĂ€rten des Islam. Stuttgart 1993, S. 271â280
cite-note-1212. â Wolfgang CreyaufmĂŒller: Nomadenkultur in der Westsahara. Die materielle Kultur der Mauren, ihre handwerklichen Techniken und ornamentalen Grundstrukturen. Burgfried-Verlag, Hallein (Ăsterreich) 1983, S. 233â446
cite-note-131. Republic of Sudan. Ministry of Interior. Sudan Police Force (Memento vom 15. Januar 2013 im Internet Archive)
cite-note-1414. â Georg Gerster: Nubien. Goldland am Nil. ZĂŒrich 1964, S. 193, 194, 199, 208 zeigt Malereien, die es nicht mehr gibt. HandabdrĂŒcke an AuĂenwĂ€nden werden noch bei Boehringer-Abdalla 1987, S. 31 erwĂ€hnt.
cite-note-1515. â Gabriele Boehringer-Abdalla: Frauenkultur im Sudan. AthenĂ€um Verlag, Frankfurt 1987, S. 94â105
cite-note-1616. â Rudolf Slatin: Feuer und Schwert im Sudan. Meine KĂ€mpfe mit den Derwischen, meine Gefangenschaft und Flucht. Edition Erdmann, Stuttgart 1997, S. 226